Schaproder Hafen im Mai — letzte Werftfahrten vor der Saison
Bevor die Sommerfähren nach Hiddensee in den 30-Minuten-Takt gehen, ist der Schaproder Hafen ein anderer Ort. Wir verbringen einen Tag mit Hafenmeister Sönke Petersen, schauen einer alten Krabbenkutter-Restaurierung über die Schulter und protokollieren, was zwischen letzter Werft und erster Saisonfahrt passiert.
Schaprode ist ein Hafen, den die meisten Reisenden nur als Durchgangsstation kennen — anlaufen, Ticket lösen, auf die Fähre nach Vitte (Hiddensee), abreisen. Wer den Hafen aber an einem Werktag Anfang Mai aufsucht, wenn die ersten Sommerfähren noch im Halbstunden-Takt liegen statt im Viertelstunden-Takt, sieht eine andere Schicht — die Werftarbeiten der letzten Vor-Saison-Wochen, die Lieferungen, die nicht über die Touristik-Linie laufen, und die kleinen Schiffsbewegungen, die zwischen den großen Fähr-Stops Platz haben.
Wir sind 7:15 Uhr am Hafen. Hafenmeister Sönke Petersen ist seit 6:30 Uhr im Dienst, hat den ersten Frachter aus Stralsund abgefertigt, ein paar Liegeplätze umverteilt und sich gerade einen Kaffee aus dem Automaten geholt. Er nickt uns zu, deutet auf eine ältere Holzbank am Hafenrand, setzt sich kurz dazu.
Die Werftarbeit zwischen Saison
„In dieser Woche”, sagt Petersen, „liegen drei Schiffe bei uns, die jedes Jahr im Mai dranmüssen. Eine alte Eskil-Klasse, ein Krabbenkutter aus Wiek, und der Zweimaster von der kleinen Segelgenossenschaft.” Er zählt sie an den Fingern ab. Die Eskil-Klasse — ein Frachtschiff aus den 1970ern, das seit den 2000ern als Werkschiff für Hafendienste umgebaut ist — bekommt neue Anoden und einen frischen Antifouling-Anstrich. Der Krabbenkutter wird gereinigt, neu lackiert, die Netzkurbel neu gelagert. Der Zweimaster bekommt einen Mast-Check und eine neue Vorsegelschot.
Diese Arbeiten machen die Schaproder Werft, die zum Hafen gehört aber organisatorisch eigenständig ist — ein Familienbetrieb in dritter Generation. Im Mai laufen drei bis fünf Schiffe parallel über die Werft, je nach Auftragslage. „Im April hatten wir sieben”, sagt Petersen, „das war eng. Jetzt entspannt es sich, weil ab nächster Woche die Saison anrollt und die Saisonschiffe alle laufen müssen.”
Was nicht über die Fähr-Touristik läuft
Ein Hafen ist mehr als seine sichtbarste Linie. In Schaprode laufen mehrere kleine Linien, die im Schatten der Hiddensee-Fähre kaum auffallen:
- Eine Versorgungs-Fähre nach Hiddensee, die wochentags morgens und abends Gemüse, Brot, Post und Apotheken-Lieferungen über den Bodden bringt — kein Personenverkehr, oder nur „im Sondertarif”, wie es in der Hafenliste heißt
- Eine Postbarkasse, die einmal die Woche kleine Pakete an drei Stege im Bodden ausliefert
- Eine kleine Linie nach Ummanz, die im Winter ganz pausiert und im Mai wieder anfängt
- Zwei Krabbenkutter aus Wiek und Vitte, die unregelmäßig in Schaprode anlanden, wenn die Werft Ersatzteile bereithält
- Gelegentliche Segel-Anlandungen, wenn ein Skipper Trinkwasser braucht oder das Wetter unangenehm wird
Wer den Hafen morgens beobachtet, sieht diese Bewegungen in einer ruhigen Choreographie. Petersen registriert sie auf einem klassischen Hafenmeister-Klemmbrett, das in der Verwaltung digital übernommen wird, aber zuerst auf Papier festgehalten ist. „Die Linie der Touristik ist ein Drittel der Bewegungen”, sagt er. „Zwei Drittel sind das, was du auf der touristischen Hafenkarte nicht findest.”
Eine Krabbenkutter-Restaurierung
Wir gehen an die Werft, schauen einer Restaurierung über die Schulter. Der Krabbenkutter „Frieda” aus Wiek liegt auf dem Slip, der Rumpf ist gestrahlt, die alte Farbe ist runter, das Holz ist sichtbar. Werftmeister Klaus Brandt prüft einzelne Plankenstöße auf weiche Stellen, klopft mit einem Holzhammer ab, hört auf den Klang. „Drei Bohlen müssen raus”, sagt er nach einer Weile. „Achter zwei, vorne eine. Das machen wir in den nächsten zwei Tagen, dann kommt der Anstrich, dann zurück ins Wasser.” Die ganze Arbeit dauert eine knappe Woche, kostet den Eigner etwa 4.500 Euro, hält den Kutter weitere drei bis fünf Jahre. Brandt sagt: „Diese Boote sind aus den 1980ern. Wenn du sie pflegst, fahren sie noch zwanzig Jahre. Wenn nicht, sind sie in fünf Jahren weg.”
Was sich im Mai ändert
Ab Mitte Mai gehen die Hiddensee-Fähren in den Viertelstunden-Takt. Damit ändert sich der Hafen schlagartig: aus dem ruhigen Arbeitstakt wird Saison-Choreographie, die Werftarbeiten müssen auf bestimmte Slots verteilt werden, weil die Fähr-Liegeplätze andere Aufträge bekommen. „Ab kommendem Montag”, sagt Petersen mit Blick auf die Uhr, „läuft hier nichts mehr unbeobachtet. Heute ist der letzte ruhige Tag.”
Wir verlassen den Hafen gegen elf, mit einer guten Liste von Nebenlinien, die wir in den nächsten Heften einzeln besuchen wollen — die Versorgungs-Fähre, die Postbarkasse, die Ummanz-Linie. Im Juni-Heft wollen wir die Werft Schaprode in voller Saisonlast besuchen.