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Neuenkirchen

Verfasser und Autor
der
Bände 1/2

Hans-Henning Hofmann

Der Rügener Künstler Heinz Mewius hat am Rande der Gesellschaft gelebt und gearbeitet. Wenn seine Werke in einer Galerie ausgestellt werden, verlieren sie Teile ihrer subversiven Kraft. Denn diese liegt nicht nur im Kunstwerk selbst
begründet sondern auch im sozialen Kontext der Entstehung und in der Lebenssituation des Künstlers. Die institutionelle Vereinnahmung entschärft Aspekte des Werkes die stören die unsere sicheren Standpunkte in Frage stellen und künstlerische Dogmen und Klischees karikieren. Wenn die (Beziehung von Kunst und Leben zerschlagen wird, bleibt nur eine Spur davon sichtbar, doch diese Spur gilt es zu bewahren, weil Heinz Mewius im Dezember 2000 gestorben ist und nur noch seine Werke bleiben.

Heinz Mewius hat immer wieder dazu herausgefordert, ihm einen Beinamen zu geben, „Hexer von Rügen", „Katzen-Heinz" oder auch „unser Heinzi". Diese waren Versuche, das Befremdliche zu vereinnahmen, die seinen Status am Rand zugleich festgelegt und verklärt haben. Aus der Nähe betrachtet jedoch verlief das Leben von Heinz Mewius in gesellschaftlich akzeptierten Bahnen. Ein bodenständiger Mensch mit dekoriertem Vorgarten, Telefon und TV, donnerstags Besuch der Bank, um die wöchentliche Unterstützung abzuholen, freitags Warten auf das „Frische-Mobil", täglich der Gang zum „Dorfkonsum". Viele Dinge eines geregelten Lebens waren in dieser Welt vorhanden und dennoch war alles anders. Denn regelmäßig schob sich, unvorhersehbar und mit großer Macht, eine andere Welt in den Vordergrund, die so stark war, daß es anschließend Wochen dauerte, die alte Ordnung wieder herzustellen. Wenn mit kaltem Wasser in großen „Plastewannen" und mit viel Waschpulver gewaschen wurde, wußten wir: Heinz ist wie der aufgetaucht aus der langen dunklen Nacht, in der er Stimmen hörte von verstorbenen Freunden und Verwandten, „alle haben sie mir verlassen", und trank und trank und laut schimpfte über das Elend dieser Welt, oben in seiner Kammer. Heute König, morgen Bettelmann. Wo er sich wirklich befunden hat, haben wir nie erfahren.

Nur von kurzen Ausflügen unterbrochen, lebte Heinz Mewius, seit seiner Flucht aus Ostpreußen, in Neuenkirchen. Zuerst im Ortsteil Reetz, nach dem Tod der Mutter in Laase am Lebbiner Bodden. Seine Biografie ist reich an Leidenserfahrung, doch arm an respektablen Daten. Versuche, in einem bürgerlichen Leben Fuß zu fassen, schlugen immer wieder fehl. Seine Arbeit am Einstieg war hart, die am Ausstieg härter, und alkoholisierte Traumwelten unterstützten ihn dabei. Um Freiheit zu gewinnen, hat er die Mißachtung seiner Mitbürger hingenommen. 1970 begann er mit dem Bau von Holzfiguren, und im Vorgarten seines Wohnhauses entstand ein Zoo mit Tieren aus Holz, Farbe und Schrott. Bald entdeckten Künstlerkollegen diese Arbeiten und begannen, sie vor dem witterungsbedingten Verfall zu retten. Der Holzbildhauer Hans Werner Kratzsch, der 1972 in den Nachbarort Sylvin zog, wurde sein Freund. Er erkannte das künstlerische Potential und förderte es, gemeinsam bauten sie Nußknacker und Weihnachtspyramiden. Kratzsch hielt ihn an, weitere Figuren zu bauen, half ihm mit Material und Gerät und regte neue Motive an...


                                                                                                               Susanne Burmester 

Auszüge der Chronik Neuenkirchen
Band 1/2

Chronik

Heinz Mewius