Chonik Inhaltsverzeichnis

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Neuenkirchen

Verfasser und Autor
der
Bände 1/2

Hans-Henning Hofmann

Gern erinnere ich mich an meine Kindheit, die ich 9 Jahre im Adlergebirge des Sudetenlandes verbrachte, zurück. Ich wurde am 15.04.1937 im schönen Erlitztal, zu dem 7 Dörfer gehörten, geboren.

Gemeinsam mit 7 Geschwistern, Maria, Eduard, Franz, Josef, Paul, Alfred und Wilhelm, wuchs ich auf dem elterlichen Hof auf. Mein Vater, Eduard Gottwald, übernahm nach dem Tod seiner Eltern den Hof mit 11 ha Land, den er mit unserer Mutter Maria führte. Daneben unterhielt mein Vater als Haupterwerbsquelle ein Holzfuhrunternehmen mit 6 Pferden und einer Raupe.

Aus heutiger Sicht war das Leben für meine Eltern oft beschwerlich, doch davon bekamen wir als Kinder nicht viel mit, denn wir konnten jeden Tag die Zeit mit Spielen verbringen. Ich freute mich jedes Jahr auf die Weihnachtszeit, denn vom 06. Dezember an brachten der Nikolaus und das Christkind jeden Abend Süßigkeiten für uns Kinder. Am l. Weihnachtstag füllte der von den Eltern in der Nacht geschmückte Tannenbaum die große Stube. Wie alle Jahre standen wir Kinder in unseren neuen Samtanzügen und -kleidern davor und konnten es kaum erwarten, unsere Spielsachen in Beschlag zu nehmen. So wie das Christfest gehören die langen Winter einer schönen Erinnerung an, denn das bedeutete, dass Ski laufen angesagt war und großen Spaß hatte ich, wenn ich mich mit den Jungs von der selbst gebauten Schanze Ski springen durfte.

Für meine älteren Geschwister war diese Zeit sicher nicht so unbeschwerlich. Maria, Eduard und Franz besuchten in den ersten Schuljahren die tschechische, dann die deutsche Schule und wenn die zu Ende war, mussten sie die Eltern unterstützen. Die Jungs halfen dem Vater beim Holz fahren, Maria kümmerte sich hauptsächlich um uns. Obwohl sie viel zu tun hatten, fanden sie doch an vielen Abenden Zeit, sich mit ihren Hobbys, wie musizieren und lesen, zu beschäftigen oder sich mit Freunden zu treffen.

Für uns Jüngere war die unbeschwerte Kindheit auch bald vorbei, denn Josef, Paul und ich erlernten das Lesen und Schreiben noch in der Heimat. Hinzu kam, dass die beiden nun auch schon unserem Vater helfen mussten, denn meine beiden älteren Brüder wurden mit l8 und 17 Jahren zum Kriegsdienst eingezogen. Darunter litt meine Mutter sehr, obwohl ich sie nur einmal weinen sah. Heute denke ich oft darüber nach, wie viele Tränen sie wohl vergossen haben mag, ohne dass wir sie sahen. Nie ließ sie uns Sorgen und ihren Kummer spüren, sie war einfach für alle da und umsorgte uns.

Auszüge der Chronik Neuenkirchen
Band 1/2

Chronik

Vertreibung aus dem Sudetenland


Erinnerungen an meine Eltern von Rosa Chmielewski, geb. Gottwald