Chonik Inhaltsverzeichnis

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Neuenkirchen

Verfasser und Autor
der
Bände 1/2

Hans-Henning Hofmann

Chronologie Kiesabbau -Zessin:
Geplanter industrieller Kiesabbau im Bereich des gemeldeten Flora-Fauna-Habitat- Gebietes Nr. 49 „Nordrügensche Boddenlandschaft" und des geplanten NSG Neuendorfer Wiek, sowie des faktischen Vogelschutzgebietes SPA MV 026 „Großer und kleiner Jasmunder Bodden mit Schmachter See und Nonnensee"
Auf einem 29 ha großen Gebiet in Zessin an der Neuendorfer Wiek auf der Insel Rügen plant die Firma Heidelberger Baustoffwerke - ein 100%tiges Tochterunternehmen von Heidelberger Zement, einem der weltweit führenden Baustoffhersteller- den industriellen Abbau von 5,1 Mio. Tonnen Kies über einen Zeitraum von 25 Jahren.
1994 - Die Umweltverbände des Landes Mecklenburg-Vorpommern lehnen das Projekt wegen umfangreicher naturschutzfachlicher Mängel seit dem Beginn des Raumordnungsverfahrens ab.

(Stellungnahme NABU Rügen: 11.7.1994, Stellungnahme BUND und Grüne Liga im
Planfeststellungsverfahren: 1.7.1997)

1998 Anfang April .1998 hat sich eine Bürgerinitiative gegründet, um den Kiesabbau zu
verhindern.

-1940 wurde die in der Neuendorfer Wiek gelegene Insel Beuchel als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Bei der Insel Beuchel handelt es sich um ein national bedeutsames Küstenvogelschutzgebiet mit dem Brutvorkommen von Brandseeschwalbe, Flussseeschwalbe (heute: Anhang l der EU-Vogelschutzrichtlinie). Lachmöwe, Silbermöwe, Mantelmöwe , Brandgans, Graugans, Mittelsäger, Austernfischer, Rotschenkel, Löffel- und Schnatterente haben hier ihren Lebensraum.

- 1991 wurde das Bergrecht durch die Treuhand an einen Privat-Unternehmer verkauft. Kurze Zeit später erfolgte der Weiterverkauf des "Wendeschnäppchens" an Neuper- Beton, heute Heidelberger Baustoffwerke. Bis 1996 galt das alte DDR-Bergrecht, so dass für das Abbaurecht nicht gleichzeitig der dazugehörige Grund und Boden gekauft werden mußte. Der Erwerb des Bodenschatzes kommt nicht einer Abbaugenehmigung gleich. Der Käufer trägt das Risiko dafür, dass die Entscheidung über den Abbau erst im Nachhinein von den zuständigen Behörden gefällt wird.
- 1992 wurde die Unterschutzstellung der Neuendorfer Wiek als NSG vom
Umweltministerium geplant. Die damals amtierende CDU-Regierung verhinderte die Ratifizierung des unterschriftsreifen Entwurfes zum NSG, um die Abbauinteressen von Heidelberger Zement nicht zu gefährden.

- 1995 wurde im Raumordnungsverfahren der Kiesabbau vom Amt für Raumordnung abgelehnt, da sich alle Träger öffentlicher Belange gegen die wirtschaftliche Ausbeutung dieser schützenswerten Landschaft gestellt haben.

- 1997 beantragt die Betreiberfirma erneut eine Abbaugenehmigung. Diesmal jedoch nicht als Raumordnungsverfahren, sondern als Antrag beim Bergamt in Stralsund. Trotz der massiven Ablehnung aller Beteiligten (u.a. auch der Gemeinde Neuenkirchen) wurde ein Planfeststellungsverfahren zum Abbau eröffnet. Das Bergamt argumentiert damit, eine preisgünstige Versorgung der Insel Rügen mit Kies gewährleisten zu müssen...

Auszüge der Chronik Neuenkirchen
Band 1/2

Chronik

  Kies oder Natur?

Zusammengestellt von
Hartmut Kamin
2 0. Januar 2006