Chonik Inhaltsverzeichnis

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Neuenkirchen

Verfasser und Autor
der
Bände 1/2

Hans-Henning Hofmann

Im Namen des Königs

In Sachen der Witwe des Schiffers Joachim Brüdgam, Caroline Christiane, geb. Schönrogge zu Breetz, Klägerin und dem königlichen Fiskus, vertreten durch die königliche Regierung in Stralsund, Verklagten, hat das königlichen Kreisgericht zu Bergen I. Abteilung in seiner öffentlichen Sitzung am 1. Juli 1875, an welcher teilgenommen haben

Kreisgerichtsdirektor Koppen
und die Kreisrichter Dr. Barkow
und Denhard für Recht erkannt:

             daß die Klage unter Verurteilung der Klägerin die Prozesskosten abzuweisen              von Rechts wegen.

Gründe:
Die Fischerei auf der Tiefe, welche Klägerin als Fischerei für sich und der
.....................................? Klage in Anspruch nimmt, ist in Neuvorpommernland und
Rügen Regal mgl. Provinzialrecht I § 1704 Y 5, S. 50 folgende Regalien können von Privatpersonen auch durch spezielle Verbreitung erworben werden, jedoch wird der Nachweis solcher Verbreitung ersetzt durch den Nachweis der Besitzausübung seit unvordenklicher Zeit.

Die vorliegende Klage gründet sich auf unvordenkliche Verjährung. Klägerin behauptet, daß seit unvordenklicher Zeit die Familie v. Platen als Grundherrschaft von Breetz und mit ihrer Bewilligung die Inhaber sämtlicher Häusler und Büdnerstellen zu Breetz ins Besondere der Häuslerstelle Nr. 2 daselbst die Fischerei auf der Tiefe des Breetzer Boddens ausgeübt hätten.

Sie folgert hieraus, daß dem Eigentümer der Häuslerstelle Nr. 2 die Fischereigerechtigkeit zustehe. Ihre Folgerung erscheint jedoch nicht zutreffend. Wenn die Familie von Platen die Fischereigerechtigkeit für Breetz erworben hat, so folgt daraus weder, daß dieses Recht mit jedem Stück Land, mit jedem Hause, welches zu Breetz gehörte, verbunden, noch das sie befugt gewesen, dies Recht mit Zeilen ihres Besitztums weiter zu verleihen. Aus den Behauptungen der Klägerin geht nicht hervor, daß die Grundherrschaft das Recht speziell für die Häuslerstelle Nr. 2 erworben, daß sie es seit unvordenklicher Zeit für das gedachte Grundstück ausgeübt hat, oder hat ausüben lassen. Der Grundherr konnte, wenn ihm eine unbeschränkte Fischereigerechtigkeit

Auszüge der Chronik Neuenkirchen
Band 1/2

Chronik
Der Kampf um das Fischereirecht in Breetz
Aus den Unterlagen der alteingesessenen Schifferfamilie Brüdgam
aus Breetz aus dem Jahre 1875
Übersetzung: Dr. WILHELM DETTMERJNG
l. Februar 2006